Das war aber mal schön heute. Sehr zeitig aufgestanden um schon kurz nach halb sieben zu frühstücken. 113 km standen auf dem Programm, da wollte ich Puffer haben. Um acht ging’s los in der Morgenkühle. Raus aus Freiburg durch das schöne Breisgau.
Weinberge auf der einen Seite, Tal und dahinter liegende Berge (nicht im Bild) auf der anderen.Nicht mehr weit bis zur Grenze.
In Frankreich gut ausgeschilderte Radwanderwege, wenn an der Straße, dann mit wenig Verkehr.
Von der Straße dann direkt rein in den Wald über einen kilometerlangen Radweg.
So ging das vielleicht 25 km ganz entspannt dahin, zwischendurch andere Radler_innen. Danach auf den Rhone-Rhein-Kanal getroffen.
Da dachte ich mir wieder „ist das aber schön hier“. Gleich mal die erste Pause eingelegt.
Den Kanal durch Mühlhausen weitergeradelt.
Interessantes Gefühl , durch eine fremde Stadt durchzuradeln. Ich nahm dabei die Umgebung ganz anders war. Und dann blieb ich auch bis Montbéliard am Kanal. Gefühlt mit immer währendem Rückenwind und meist bergab liefen die Kilometer wie von selbst, mit tollem Umfeld. Ich radle gern an Gewässern entlang.
Mit Schiffen.
Blick zurück bei der zweiten Pause. Hier möchte ich wieder herkommen. Durch das zügige Vorankommen war ich schon um 14 Uhr am Hotel und musste noch eine Stunde auf das Zimmer warten. 113,4 km und nur 300 Höhenmeter bei 4 Stunden 49 Minuten reiner Fahrzeit. Mit Pausen war ich damit deutlich zügiger unterwegs als bei der gestrigen Bergetappe.
Habe eigentlich gut auf mich aufgepasst und ab der ersten Pause immer wieder Wasser über mich gekippt.Trotz geringer Hitze und vermeintlich wenig Anstrengung glühe ich jetzt aber noch nach. Ich muss mir echt Gedanken machen, wie ich das Thema in den Griff bekomme. Zugverbindung ist schon mal gecheckt und prima.
Gestern Abend kam noch eine Gruppe E-Mountainbiker in meinem Alter unter meinem Zimmerfenster an. Das lief so (schwäbischen Dialekt mitdenken): EH, SUPPA, ACHIM (beliebige weiter Namen einsetzen), Schulterklopfen EEEEH SAUGEIL, Abklatschen, EEEH SIND DI BESCHTEN, EEH, JETSCH A BIER… und ehe ich’s mich versah waren Bierbänke und Bier organisiert. Gut, dass ich zum Restaurant aufbrechen wollte. Der Hotelier wies mich bei meiner Platzwahl dann auch auf mehrere reservierte Tische einer sehr „lebhaften“ Gruppe hin.
Heute früh ging’s mir deutlich besser. Beim ersten Aufwachen war der Himmel bedeckt, das Wetter soweit OK. Gegen 7 dann das:
Regenprassel mit Windböen. Zugverbindungen in die Etappenrichtung gecheckt, dann erst WetterApp. Regen würde nachlassen, also erstmal frühes Frühstück ohne viel Appetit, aber muss, sonst zu wenig Energie. Beim Aufbruch noch leichter Regen, also Gamaschen und Regenjacke genutzt, zum Reinkommen war das kühle Wetter perfekt. In Tuttlingen wird das Kennzeichen TUT benutzt. Leider kein Fahrzeug mit -UT gesehen. Nach 15 km kurze Umzieh- und Verfahrpause, dann weiter nach Donaueschingen. Was ich gestern vom Zug aus gesehen hatte durfe ich nun selber durchfahren.
Radln lief gut, weiter durch schöne Landschaft.
Weiterer Stopp nach einem knackigen Anstieg um mich erneut umzuziehen.
Bis dahin war meine komplette Oberbekleidung durchgeschwitzt. Und jetzt begann erst der steilere Teil der Etappe. Die nächsten 27 km hatten es in sich, da bin ich auch nur einen Schnitt von gut 13 km/h gefahren. Nach 2 km machbarem Anstieg auf der Straße ging es 8 km fast schnurgerade durch den Wald.
Jetzt nicht supersteil, aber kontinuierlich ohne irgendwie Tempo machen zu können. Wenn mich Wanderer (insgesamt nur 2 gesehen) überholt hätten – ich wäre nicht verwundert gewesen. Das Gute: es war schattig und kühl. Danach wieder über Asphalt und Straße. An einer der Steigungen musste ich dann passen und habe geschoben. (Nein, ich muss nicht jede Steigung mit Gewalt nehmen.) Gelernt: wenn das Navi eine dunkelorange Steigung anzeigt wird’s eng. Dann wieder durch den Wald auf einer offiziellen (!) Radroute.
Das war ein besserer Feldweg mit losem Geröll! Da fahre ich maximal mit einem Fully (und auch das ohne Spaß). Also wieder geschoben, zum Glück nicht zu steil. Und kurz darauf stand ich vor einem Tal:
Gleichmal eine längere Pause eingelegt.
Versucht, die Klamotten ein wenig zu trocknen. Ab jetzt nur noch wenige kleine Anstiege, im Prinzip bin ich die letzten 25 km bergab gefahren (toll!). Mangels Zeitung den Windbreaker unters Trikot gesteckt, da Anfangs weiterhin kühl.
Eine der grandiosen Abfahrten.
Nicht so toll: ein paar Kilometer der offiziellen Radroute auf viel befahrener Landstraße.
Je näher ich Freiburg kam, desto wärmer wurde es, aber nicht heiß. In Freiburg großes Radlnetz und viele Radfahrer.
(Radfahrer nicht im Bild)
Kurz vor 16 Uhr im Hotel angekommen. 108 km mit 860 Höhenmetern in ca. 7 Stunden mit Pausen. Das hatte ich etwas anderes erwartet. Mit dehen, runterkommen (natürlich Tour de France gucken und das bittere Ende von Vingegaards Siegträumen mitbekommen), Duschen und Familientelefonat war’s auch schon Zeit zum Abendessen.
Jetzt bin ich die Standardsuppen weitgehend durch, Kraftbrühe mit Fadennudeln. Danach Forelle Müllerinnen Art. Sehr lecker.
Ich bin wirklich froh wie der heutige Tag gelaufen ist. Seit Freitag Abend hatte ich die Befürchtung, dass meine Reise frühzeitig endet. Jetzt bin ich bereit, die erste Etappe nach Frankreich anzugehen.
Und noch eine Erklärung zu den Gründen, warum die ersten beiden geplanten Etappen gar so lang waren: Eigentlich sollte die erste Etappe in Günzburg enden. Für die Etappe nach Günzburg habe ich aber einfach keine Unterkunft gefunden, die innerhalb einer für mich machbaren Entfernung gewesenen wäre. Beim nächsten mal würde ich dann gleich eine Teiletappe mit dem Zug einplanen (Memo an mein zukünftiges ich).
Diese Etappe sollte noch länger als gestern werden: 133 km standen an. Nach einer miesen Nacht und erhöhter Temperatur bin ich davon ca. 20 geradelt. Ich hatte mir fest vorgenommen, die Reise nicht auf-Teufel-komm-raus durchzuprügeln. Und schon am zweiten Tag konnte ich auch dieses Vorhaben umsetzen.
Die ersten 12 Kilometer nach Ulm gingen zunächst an der Landstraße und dann an der Donau entlang.
Den mittlerweile zweithöchsten Kirchturm der Welt habe ich tatsächlich schon kurz nach dem Aufbruch in Elchingen gesehen.
Im Zug von Ulm nach Tuttlingen durch eine wunderbare Landschaft gefahren. Sattes Grün, Felsformationen, die ungewohnt immer schmaler werdende Donau.
Kunst im öffentlichen Raum im Vordergrund – wahrscheinlich aber Bahn Infrastruktur. Wer weiß, was das genau ist, gerne in die Kommentare. So saftig sah es die ganze Zeit aus. Sonne, Wolken und Regen wechselten sich munter ab, auf halber Strecke stieg ein druchnässter Gravelbiker zu. Bin direkt über meinen Schatten gesprungen und begann Smalltalk von Biker zu Biker, der Kollege ist aber nicht so recht eingestiegen. Sorge bereitet mir, dass die Sonnenstrahlen die mich durchs Fenster trafen an Stirn und Nacken direkt Hitzeschübe hervorriefen.
In Tuttlingen angekommen leichter Regen, sodass ich meine Ausrüstung auch gleich (erfolgreich) ausprobieren konnte (Gamaschen mangels Schlangenmenschen-Eigenschaften nicht im Bild).
Nach 8 km im Hotel zur Mittagszeit eingecheckt. Snack eingenommen, wirklich hungrig war ich nicht. Die Restaurants hier starten um 17 Uhr, das passt. Nach Siesta schönes Telefonat mit Barbara und dem Erstgeborenen. Letzterer übrigens Verantwortlich für das Layout des Blogs.
Zum Abendessen Maultaschensuppe und Schwarzwälder Cordon Bleu, lecker und sättigend. Währenddessen Dateiupload der unterwegs gemachten Filme. So mies das WLAN auf dem Zimmer war, so flott hat es im Restaurant funktioniert. Für mich neu: in denrsten beiden Hotels jeweils WLAN ohne Passwort, heute wurde ich noch nicht mal darauf hingewiesen.
Der Morgen war geprägt von Nervosität. Frühstücken, über Blog informieren, Fahrrad bestücken, Daten erheben: mit 86,8 kg Eigen- und 124,1 kg Gesamtgewicht (Puh) ging’s kurz nach 9 los. Endlich. Die ersten Meter auf dem Rad fühlten sich richtig gut an, es war nicht zu warm und ich bin gleich richtig ins Rollen gekommen.
Himmel vor der Staustufe Bergheim
Nach Neuburg riss der Himmel endgültig auf, es wurde wärmer.
Lustiger Mittelstreifen unterwegs, der zog sich noch eine Weile so hin. Meine Vermutung: dahinter steckt irgendwas bei der Straßenmeisterei mit „des traust du di ned!“
Bei der ersten Pause nach ca. 60 km das Langarmshirt ausgezogen, dafür Sonnenschutz angelegt:
Um Kilometer 80 wurde es zäh, gefühlt die ganze Zeit Gegenwind, die zweite Pause war dringend nötig.
Ein paar Minuten danach glücklicherweise noch einen Supermarkt passiert und kühle Getränke besorgt. Allmählich zog der Himmel wieder zu.
Noch ca. 20 km bis zum Zielort.
Danach hat der Akku der DJI aufgegeben. Ich hätte öfter ausschalten sollen, gelernt für morgen. Von Günzburg ging es an der Donau entlang und durch den Wald nach Elchingen, ganz leichter Regen setzte ein. So wenig, dass Regenklamotten unnötig waren und ich abgekühlt wurde. Und so ein toller Duft von Regen, der auf warmen Boden tröpfelt. Kurz von 16 Uhr, nach sechseinhalb Stunden, 2 Pausen, 127,3 km und 433 Höhenmetern angekommen. Eingecheckt, gedehnt und Tour de France geguckt, Proviant für morgen besorgt und lecker Essen gewesen
Als Vorspeise gabs Flädlesuppe, als Nachspeise das:
Jetzt bin ich pappsatt, ziemlich erledigt und habe ein wenig Bammel vor der morgigen Etappe, die aus Gründen noch etwas länger wird. Werde sehr zeitig ins Bett gehen (jetzt) um morgen um 7 beim Frühstück zu sein und so früh wie möglich aufzubrechen.