Gestern Abend kam noch eine Gruppe E-Mountainbiker in meinem Alter unter meinem Zimmerfenster an. Das lief so (schwäbischen Dialekt mitdenken): EH, SUPPA, ACHIM (beliebige weiter Namen einsetzen), Schulterklopfen EEEEH SAUGEIL, Abklatschen, EEEH SIND DI BESCHTEN, EEH, JETSCH A BIER… und ehe ich’s mich versah waren Bierbänke und Bier organisiert. Gut, dass ich zum Restaurant aufbrechen wollte. Der Hotelier wies mich bei meiner Platzwahl dann auch auf mehrere reservierte Tische einer sehr „lebhaften“ Gruppe hin.
Heute früh ging’s mir deutlich besser. Beim ersten Aufwachen war der Himmel bedeckt, das Wetter soweit OK. Gegen 7 dann das:

Regenprassel mit Windböen. Zugverbindungen in die Etappenrichtung gecheckt, dann erst WetterApp. Regen würde nachlassen, also erstmal frühes Frühstück ohne viel Appetit, aber muss, sonst zu wenig Energie. Beim Aufbruch noch leichter Regen, also Gamaschen und Regenjacke genutzt, zum Reinkommen war das kühle Wetter perfekt. In Tuttlingen wird das Kennzeichen TUT benutzt. Leider kein Fahrzeug mit -UT gesehen. Nach 15 km kurze Umzieh- und Verfahrpause, dann weiter nach Donaueschingen. Was ich gestern vom Zug aus gesehen hatte durfe ich nun selber durchfahren.

Radln lief gut, weiter durch schöne Landschaft.

Weiterer Stopp nach einem knackigen Anstieg um mich erneut umzuziehen.

Bis dahin war meine komplette Oberbekleidung durchgeschwitzt. Und jetzt begann erst der steilere Teil der Etappe. Die nächsten 27 km hatten es in sich, da bin ich auch nur einen Schnitt von gut 13 km/h gefahren. Nach 2 km machbarem Anstieg auf der Straße ging es 8 km fast schnurgerade durch den Wald.

Jetzt nicht supersteil, aber kontinuierlich ohne irgendwie Tempo machen zu können. Wenn mich Wanderer (insgesamt nur 2 gesehen) überholt hätten – ich wäre nicht verwundert gewesen. Das Gute: es war schattig und kühl. Danach wieder über Asphalt und Straße. An einer der Steigungen musste ich dann passen und habe geschoben. (Nein, ich muss nicht jede Steigung mit Gewalt nehmen.) Gelernt: wenn das Navi eine dunkelorange Steigung anzeigt wird’s eng. Dann wieder durch den Wald auf einer offiziellen (!) Radroute.

Das war ein besserer Feldweg mit losem Geröll! Da fahre ich maximal mit einem Fully (und auch das ohne Spaß). Also wieder geschoben, zum Glück nicht zu steil. Und kurz darauf stand ich vor einem Tal:

Gleichmal eine längere Pause eingelegt.

Versucht, die Klamotten ein wenig zu trocknen. Ab jetzt nur noch wenige kleine Anstiege, im Prinzip bin ich die letzten 25 km bergab gefahren (toll!). Mangels Zeitung den Windbreaker unters Trikot gesteckt, da Anfangs weiterhin kühl.

Nicht so toll: ein paar Kilometer der offiziellen Radroute auf viel befahrener Landstraße.
Je näher ich Freiburg kam, desto wärmer wurde es, aber nicht heiß. In Freiburg großes Radlnetz und viele Radfahrer.

Kurz vor 16 Uhr im Hotel angekommen. 108 km mit 860 Höhenmetern in ca. 7 Stunden mit Pausen. Das hatte ich etwas anderes erwartet. Mit dehen, runterkommen (natürlich Tour de France gucken und das bittere Ende von Vingegaards Siegträumen mitbekommen), Duschen und Familientelefonat war’s auch schon Zeit zum Abendessen.


Jetzt bin ich die Standardsuppen weitgehend durch, Kraftbrühe mit Fadennudeln. Danach Forelle Müllerinnen Art. Sehr lecker.
Ich bin wirklich froh wie der heutige Tag gelaufen ist. Seit Freitag Abend hatte ich die Befürchtung, dass meine Reise frühzeitig endet. Jetzt bin ich bereit, die erste Etappe nach Frankreich anzugehen.
Und noch eine Erklärung zu den Gründen, warum die ersten beiden geplanten Etappen gar so lang waren:
Eigentlich sollte die erste Etappe in Günzburg enden. Für die Etappe nach Günzburg habe ich aber einfach keine Unterkunft gefunden, die innerhalb einer für mich machbaren Entfernung gewesenen wäre. Beim nächsten mal würde ich dann gleich eine Teiletappe mit dem Zug einplanen (Memo an mein zukünftiges ich).

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